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Ein Leben für den Deutschen Kaiser

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Hans-Jürgen Schasse blickt auf Jahrzehnte Uetzer Gaststättengeschichte zurück. Die neuen Eigentümer Bastian und Florian Scheer müssen das Traditionshaus zurückbauen

Uetze. Der Apfelkuchen steht auf dem Tisch, selbst gebacken von Brigitte Koch. Hans-Jürgen Schasse sitzt daneben. Kaum beginnt das Gespräch, sind die alten Geschichten wieder da. Volle Säle, Hochzeiten, Vereinsabende und lange Nächte. Es wird gelacht und geschmunzelt. Manchmal wird es auch etwas stiller.

Hans-Jürgen Schasse lebt heute in der Senioreneinrichtung Landhaus am Storchennest in Uetze. Gemeinsam mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Brigitte Koch spricht er mit Mittendrin über die vergangenen Jahrzehnte. Mit am Tisch sitzen Bastian und Florian Scheer, die neuen Eigentümer des Traditionshauses.

Mit 17 Jahren hinter dem Tresen

Schon mit 17 Jahren stand Schasse hinter dem Tresen. Sein Vater Harry Schasse hatte den Deutschen Kaiser gekauft. Als er 1963 starb, war Hans-Jürgen gerade 21 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Frau Rosi führte er Hotel und Gaststätte weiter.

Die beiden standen über Jahrzehnte gemeinsam für den Deutschen Kaiser. Während Hans-Jürgen Schasse sich um seine Gäste kümmerte, sorgte Rosi in der Küche für Gerichte, an die sich viele bis heute erinnern. Ihr Zungenragout war weit über Uetze hinaus bekannt. Auch das „Illustrierte Brot“ und Sauerfleisch mit selbst gemachter Remoulade gehörten zu den Klassikern. „Selbstverständlich selbst gemacht“, sagt Schasse über die Remoulade.

Auch halbe Hähnchen waren eine Zeit lang der Renner. „Einer meiner Feuerwehrkameraden hat es tatsächlich geschafft, an einem Abend sieben halbe Hähnchen zu verputzen. Das muss man sich mal vorstellen“, sagt Schasse und schmunzelt.

Wenn die Busse vorfuhren

Brigitte Koch war seit 1972 dabei. 48 Jahre lang kümmerte sie sich um die Gäste. „Es war aufregend, wenn die Busse kamen und wir in kürzester Zeit alle Gäste mit Kaffee und Kuchen versorgen mussten.“ Oft blieben dafür nur etwa 45 Minuten. Die Torten und Kuchen lagerten kühl im Keller. Für das kleine Team hieß das: Treppe runter, Treppe hoch, immer wieder.

Auch bei den Jahreshauptversammlungen der Volksbank-Genossenschaft war der Saal voll. Mehr als 300 Gäste kamen zu diesen Veranstaltungen.

„Alle Vereine haben in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren und natürlich auch darüber hinaus bei uns gefeiert“, sagt Schasse. Hochzeiten, Geburtstage, Stammtische, Vereinsversammlungen und Vorträge im Clubraum gehörten dazu.

Brigitte Koch war eine von mehreren Mitarbeiterinnen, die dem Haus über Jahrzehnte treu blieben. Auch Ute Arendt, Katrin Hötger und Rita Meier waren lange Wegbegleiterinnen.

Der Suppenmarsch gehörte dazu

Bei Hochzeiten gehörte der Suppenmarsch fest zum Deutschen Kaiser. Hans-Jürgen Schasse ging vorneweg in den Festsaal. Hinter ihm kamen seine Mitarbeiterinnen mit den Suppenterrinen in den Händen. Dann wurde aufgetischt.

„Bei uns gab es immer Hochzeitssuppe, egal ob Tag oder Nacht.“ Dazu gehörten für Schasse ein ordentlich gezapftes kaltes Bier und Gläser, die nach jedem Gebrauch von Hand poliert wurden.

1973 wurde der Deutsche Kaiser umfassend umgebaut. Ein befreundeter Architekt kümmerte sich um das Vorhaben. „Das muss man sich mal vorstellen. Für zehn Mark Spritgeld hat er das alles gemacht.“

„Wir haben gefeiert wie die Doofen“

Auch die Shadow Boys gehören zu Schasses Geschichten. Die Hausband spielte zu seinem 40. Geburtstag kostenlos für ihn. Zum 50. kamen die Musiker wieder, ebenso zum 60. und später noch einmal zu seinem 71. Geburtstag. „Das muss man sich mal vorstellen.“ Man merkt ihm an, wie sehr ihn das noch heute freut.

Dann geht es um die 80er-Jahre. Schasse strahlt. „Wir haben gefeiert wie die Doofen. Manchmal die ganze Nacht. Aber morgens gab es immer Frühstück für die Hotelgäste.“

Für seine Gäste da zu sein, war für ihn selbstverständlich. „Es gab keinen Tag, an dem ich wegen Krankheit oder Kater nicht da sein konnte für meine Gäste.“

Am Tisch geht es immer wieder hin und her. Schasse erzählt, Koch ergänzt. Kaum ist eine Geschichte zu Ende, fällt den beiden schon die nächste ein.

Der Deutsche Kaiser muss zurückgebaut werden

Mehr als 200 Jahre steht das markante Gebäude mitten im Uetzer Ortskern. Am 16. März 2020 öffneten sich zum letzten Mal die Türen des Hotels.

Bastian und Florian Scheer wollten das Gebäude nach dem Kauf eigentlich erhalten. Doch die Bausubstanz ist nach ihren Angaben so stark angegriffen, dass eine Sanierung nicht möglich ist. Deshalb soll der Deutsche Kaiser zurückgebaut werden. Auf dem Grundstück sollen neue Geschäfts- und Wohnräume entstehen.

Für Hans-Jürgen Schasse und Brigitte Koch bleiben die vielen Erinnerungen. An volle Säle und Stammgäste, an Thekengespräche und Hochzeiten, an Rosis Küche, den Suppenmarsch und Nächte, die manchmal erst mit dem Frühstück für die Hotelgäste endeten. Bei Kaffee und selbst gebackenem Apfelkuchen wird an diesem Nachmittag noch viel erzählt und geschmunzelt. Und irgendwann fällt er wieder, dieser typische Satz von Hans-Jürgen Schasse: „Das muss man sich mal vorstellen.“

Ein letztes Mal öffnen sich die Türen

Bevor der Deutsche Kaiser zurückgebaut wird, öffnen Bastian und Florian Scheer das Erdgeschoss noch einmal für einen großen Inventarverkauf. Am Samstag, 19. September, von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 20. September, von 9 bis 15 Uhr können Interessierte noch einmal in den Deutschen Kaiser an der Kaiserstraße 24 kommen.

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